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Webseite für inklusive Wohngemeinschaften in Deutschland

Auf der Webseite www.wohnsinn.org finden Sie Informationen rund ums inklusive Wohnen.

 

 

 

Wohnen Inklusiv

Neues Projekt  "INKLUSIVES WOHNEN" der Landesarbeitsgemeinschaft Eltern für Inklusion e.V.:

In Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg sollen neue Möglichkeiten des "Inklusiven Wohnens" von jungen Menschen mit einer Behinderung und Studierenden der Erziehungswissenschaft entwickelt werden.
Wir verfolgen damit das Ziel, das Recht auf Teilhabe in  allen Lebensbereichen der jungen Menschen mit einer Behinderung zu verwirklichen.
Im "Inklusiven Wohnen" ergeben sich aus unserer Sicht "win-win-Situationen" für Studierende und für junge Menschen mit einer Behinderung.

Interessierte an diesem Projekt können sich an den Vorstand der LAG - Eltern für Inklusion e.V. wenden, schreiben Sie einem der Vorstandsmitglieder eine Mail!

 

 

 

Das Abenteuer selbstbestimmt zu leben - Hannahs Bericht

 

Mehrere Abende hintereinander sitze ich vor dem Fernseher oder liege im Bett, wenn sie kommen, die Gedanken. Hier vermischen sich Wirklichkeit also Gegenwart und Vergangenheit mit der Zukunft, den Wünschen und Träumen.

 

In diesem Bericht möchte ich näher auf die noch frische Vergangenheit eingehen, denn in meinem Leben hat vor nicht allzu langer Zeit ein Schnitt stattgefunden. Ich bin bei meinen Eltern aus und in eine rollstuhlgerechte Berliner Wohnung eingezogen. Mein Praktikum beim Theater für von und mit behinderten Menschen hat mir sehr viele neue Erfahrungen, Erlebnisse, Kontakt zu wunderbaren, netten Menschen geschenkt. Auch habe ich jedoch erfahren, wie verschieden Menschen und Situationen auf dieselbe Person – in diesem Fall mich – wirken können. Unterschiedliche Menschentypen sind in meinen Kreis guter Bekannter und Freunde eingetreten Auch jetzt im Studium habe ich nette Begleiter/innen getroffen und scheine meinen Platz langsam zu finden. Ich merke jedoch immer wieder an verschiedenster Stelle, wie unglaublich stressig und ungewohnt es für mich ist, mich in dem ständigen schnellen Wechsel von z.B. direkt aufeinander folgenden Vorlesungen anzufreunden oder auch zu entscheiden, was genau in diesem Moment die wichtigste Aufgabe ist, die gerade jetzt getan werden muss.

In meiner Freizeit und Privatsphäre begleiten mich verschiedene Assistentinnen und Assistenten. Ich hatte Glück, denn mir ist vom Sozialamt das „Persönliche Budget“ gewährt worden, sodass ich mir meine Assistenz selbst einkaufen und entscheiden kann wer wann wie lange wie oft und wofür eingesetzt wird. Einen großen Teil  deckt ein ambulanter Pflegedienst ab. Dieser hat jedoch keine auf die Minute genau festgelegten Stunden und Abläufe, sondern funktioniert nach dem Prinzip, dass der Assistenznehmer bestimmt, was wann in welcher Art und Abfolge getan wird. Selbstbestimmtes Leben pur! Ob ich nun spazieren gehen will, einkaufe, in die Uni gehe, oder Freunde treffe, ich bin meine eigene Frau und kann mich weitestgehend selbstständig ausleben. Aber auch wenn es sich so leicht lesen lässt, so einfach ist es nicht, seine Grenzen auszuloten, einzuhalten bzw. zu überwinden. Wie weit kann man gehen? Wo ist Schluss? Wie kann ich diesen Konflikt lösen? Oft ist das ein Konflikt mit mir selber. Und schließlich die alles entscheidende Frage: Wie sagt man seiner Assistenz, was man gerade braucht, ohne das es missverstanden wird? Ohne nicht mehr, als gewollt ist, von seinem Privatleben preiszugeben?

Eine weitere wichtige Sache ist die Bezahlung und genaue Verabredung mit den Helfern. Wer bringt mich wann dorthin und wer bringt mich wann wieder nach Hause. Wie kommen wir dorthin bzw. wo genau trifft man sich und wie kann man sich erreichen? Immer wenn ich irgendeine Kleinigkeit verschiebt, muss ich umdenken und anders planen. So kostet mich jeder Tag eine Menge Energie und Kraft! Mein Lebenstempo ist zwar in vieler Hinsicht langsamer, als das nichtbehinderter Menschen, jedoch kommt es mir momentan vor, als wäre es dadurch auch intensiver und sehr lebendig. Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum darf er einfach so sein, wie er will!

 

Jeden der auch nur mit dem Gedanken spielt, irgendwo ein eigenständiges Leben zu beginnen, kann ich nur dazu ermutigen, denn es ist so schön, ein großes Stück weit unabhängig und frei zu sein! Netzwerke zu knüpfen und dabei „Vitamin B“ voll auszuschöpfen, sind meiner Ansicht nach hierbei der Schlüssel zum Erfolg! Ich danke all meinen Unterstützern, besonders meinen Eltern und freue mich auf weitere und hoffentlich erfahrungsreiche aufregende Jahre in Berlin!

Hannah Furian

 

 

 

 

Exklusiv inklusiv wohnen - Tagung in Reutlingen

Am 5. und 6.11.2010 fand in Reutlingen die erste bundesweite Tagung zu den sog. Lebensweltorientierten integrativen Wohngemeinschaften statt. Über 100 Teilnehmer waren gekommen, um die Erfahrungen der schon bestehenden WGs zu hören und mitzuerleben.

Zwei wissenschaftliche Vorträge führten in das Thema ein, der erste berichtete über neues Wissen zu Möglichkeiten des alternativen Wohnens für Menschen mit Behinderung (Prof. Johannes Schädler, Universität Siegen), der zweite von Prof. Jo Jerg von der Fachhochschule Ludwigsburg, der die WG in Reutlingen von Anfang an wissenschaftlich begleitet hatte, stellte die WGs in den Kontext der UN- Behindertenrechtskonvention.

Es geht darum, Wahlmöglichkeiten zu schaffen, auch für Menschen mit hohem Hilfebedarf, neue Lebensstrukturen aufzubauen und finanzielle Hilfen (außerhalb der gängigen stationären Versorgung) zu geben, damit dies gelingen kann.

Dann stellten sich die bereits existierenden WGs vor, die alle fast vollzählig angereist waren: Zwei WGs aus Reutlingen, die seit 1996 bzw. 2001 existieren, mehrere WGs aus München, deren erste bereits vor über 20 Jahren gegründet wurde und die WG aus Saarbrücken, die seit vorletztem Jahr zusammen wohnt und wo man ebenfalls schon die nächste WG plant.

Allen ist gemeinsam, dass dort Menschen mit Unterstützungsbedarf zusammen mit Menschen ohne Unterstützungsbedarf, zumeist Studenten, in einem Haus oder in einer Wohnung wohnen und letztere Dienste in der Nacht und am Wochenende übernehmen und dafür mietfrei wohnen. Zumeist sind es 4+4 oder 5+5 Personen. Es war beeindruckend zu spüren, wie diese Gemeinschaften funktionieren.

Jede der drei Städte hat ein anderes Finanzierungsmodell. Es wurde aber sehr deutlich, dass diese WGs nur mit der politischen Unterstützung der Kommune existieren können, da sie nicht in das übliche Raster der Finanzierung von Wohnraum für Menschen mit Behinderung fallen. Nur zusammen mit allen Beteiligten in der Sozialverwaltung und der Überzeugung, dass solch ein Modell aufgebaut werden soll, konnten die nötigen Bedingungen geschaffen werden.

Weitere Projekte haben sich auf den Weg gemacht, in Berlin, Göppingen und anderswo.

Wir können uns solch eine WG in Hamburg sehr gut vorstellen.

 

 

Wohngemeinschaft Freiraum in Bergedorf

Mehr über dieses Wohn- und Lebensprojekt in Bergedorf erfahren Sie unter

www.biwag.de.

 

 

Lebensweltrorientierte Integrative Wohngemeinschaften

Integrative Wohngemeinschaften gibt es an mehreren Orten Deutschlands:

Die ersten dieser WGs wurden 1989 in München gegründet, inzwischen gibt es dort 5 verschiedene Häuser und Wohnungen. (www.gll-muenchen.de).

Seit 1996 besteht ein Haus in Reutlingen, 2001 kam dort eine weitere WG dazu. Einen YouTube-Film über Reutlingen können Sie hier ansehen.

In Saarbrücken besteht ein Haus mit 10 Bewohnern, getragen vom Verein miteinander leben lernen e.V.

 

Allen gemeinsam ist, dass in jeder WG 4 oder 5 Bewohner mit und ebenso viele ohne Assistenzbedarf wohnen, letztere sind zumeist Studenten, die gleichzeitig auch Dienste in der WG verrichten und dafür mietfrei oder zu reduzierter Miete wohnen.

 

Auch in Ludwigshafen gibt es eine solche Wohngemeinschaft.

 

Weitere finden Sie auf der Website von Wohn:Sinn:https://www.wohnsinn.org/